Immunologie

Autoreaktive Immunerkrankungen

Aufbauend auf unserer leistungsstarken Marinosolv®-Plattform und unserem umfassenden Know-how in der Immunologie werden wir uns nun auf autoreaktive Immunerkrankungen konzentrieren, die durch ein übersteigertes adaptives oder angeborenes Immunsystem gekennzeichnet sind.

Stromale herpetische Keratitis

Krankheitsbeschreibung und Belastung durch die Krankheit

Die stromale herpetische Keratitis (HSK) wird durch eine latente Infektion mit Herpesviren verursacht. Es ist eine seltene ophthalmologische Indikation, die das Stroma der Hornhaut betrifft. HSK ist die häufigste infektiöse Ursache für schwere Sehbehinderung bis hin zur Erblindung.

Es wird angenommen, dass HSK häufiger bei Rezidiven auftritt. Zudem scheint ein Großteil der Morbidität bei Erkrankungen des Stromas auf die Zerstörung durch CD4+-T-Zellen durch eine Entzündungsreaktion auf das Virus zurückzuführen zu sein. Der Schweregrad der Erkrankung kann mit jeder weiteren Episode zunehmen, und entzündliche Veränderungen können lange nach dem Ende der Virusaktivität beobachtet werden. Die nicht-nekrotisierende stromale Keratitis zeigt sich mit einem lokalem Hornhautödem, während die nekrotisierende stromale Keratitis schnell fortschreitet und mit stromalen Infiltraten und ausgedehnten Entzündungen einhergeht. Beides kann zu Hornhautneovaskularisation und Narbenbildung beitragen, was letztendlich zur Erblindung führen kann.

Inzidenz / Prävalenz

HSK gilt als seltene Erkrankung. Gemäß den verfügbaren epidemiologischen Daten beträgt die gepoolte Inzidenz durch eine Herpesviren-Infektion induzierten Keratitis 24,0 Fälle pro 100.000 Personenjahre. Unter diesen Fällen liegt die Inzidenz für HSK bei 4,9 pro 100.000 Personenjahre, wobei neue und wiederkehrende Erkrankungen zusammengefasst werden. Wendet man diese Inzidenz auf die Weltbevölkerung des Jahres 2020 an, ergibt sich eine Schätzung von 430.000 Fällen von HSK weltweit. Etwa 140.000 davon erlitten eine zumindest einseitige Sehbehinderung.

Das Auftreten von HSV-Augenerkrankungen korreliert stark mit den HSV-1-Infektionsraten. Daher dürften die verfügbaren epidemiologischen Zahlen zu niedrig angesetzt sein, da sie auf einer begrenzten Anzahl von Studien basieren. Diese Studien wurden nur in den USA und Europa durchgeführt, wo die Gesamtprävalenz der HSV-1-Infektionen niedriger ist und ein bessere Behandlungsmöglichkeiten als als in anderen Regionen der Welt bestehen.

Aktueller Therapiestandard

Eine topische Kortikosteroidbehandlung kombiniert mit einem oralen antiviralen Wirkstoff für mindestens zehn Wochen ist derzeit die Standardbehandlung für die stromale herpetische Keratitis. Das Gleichgewicht zwischen antiviraler und Kortikosteroid-Therapie sollte in Abhängigkeit von epithelialen Ulzerationen angepasst werden.

Unerfüllter medizinischer Bedarf

Die Behandlung der HSK erfordert eine intensive Immunsuppression zusammen mit einer systemischen antiviralen Behandlung. Generell kann eine langfristige Behandlung des Auges mit Kortikosteroiden zu schwerwiegenden und das Sehvermögen bedrohenden Komplikationen führen. Dazu zählen u.a. ein Glaukom durch erhöhten Augeninnendruck, Grauer Star, erhöhte Infektionsgefahr und Hornhautschmelzen. Eine alternative immunsuppressive, topische Therapie, anstelle der Kortikosteroide könnte hier Abhilfe schaffen.

Produktbeschreibung

Tacrosolv/MAM-1003-1 ist eine Augentropfen-Formulierung, die Tacrolimus enthält. Tacrolimus, ein bekannter Calcineurin-Inhibitor, ist ein hochpotentes Immunsuppressivum, das zur Vorbeugung von Organabstoßungen nach allogener Transplantation angewandt wird. Es wird zudem zur topischen Behandlung von chronisch entzündlichen Hauterkrankungen und vernaler Keratokonjunktivitis eingesetzt. Seine Wirksamkeit ist im Vergleich zu Cyclosporin A etwa 100-fach höher. Es ist eine stark lipophile Substanz mit einer sehr geringen Wasserlöslichkeit.

Basierend auf der proprietären Marinosolv®-Technologie hat Marinomed eine neuartige wässrige Formulierung entwickelt, die die vollständige Solubilisierung der Verbindung unter Verwendung einer Kombination bekannter Hilfsstoffe ermöglicht. Es konnte gezeigt werden, dass die topische Anwendung von Tacrosolv, verglichen mit dem vermarkteten Produkt Talymus (das Tacrolimus in einer Suspension enthält), zu einer höheren Verfügbarkeit von Tacrolimus im Auge führt, obwohl die Konzentration des Arzneimittels um bis zu 95 % reduziert war. Somit bietet die Formulierung ein beträchtliches Potenzial als Ersatz- oder Zusatztherapie für Corticosteroid-Behandlungen von anterioren entzündlichen Augenerkrankungen.

In der Modellindikation allergische Rhinokonjunktivitis wurde eine klinische Phase-II-Studie zur Dosisfindung durchgeführt. In der höheren Dosisgruppe zeigten die Topline-Ergebnisse nach acht Behandlungstagen eine signifikante Linderung der allergischen Symptome in den Augen und auch in der Nase. Diese Daten unterstützen unsere Hypothese, dass ein vollständig solubilisiertes Tacrolimus als wirksame Therapie zur Behandlung von anterioren entzündlichen Augenerkrankungen entwickelt werden kann.

Kürzlich wurde eine unabhängige klinische Studie durchgeführt, mit Probanden, die an stromaler herpetischer Keratitis leiden. Die Patienten wurden zusätzlich zu einer Steroidbehandlung mit einer 1:10-Verdünnung von Prograf (mit 5 mg/ml Tacrolimus) behandelt. Bereits nach der ersten Behandlungswoche konnte in der Tacrolimus-Gruppe, verglichen zur Kontrollgruppe, eine stärkere Reduktion der Symptome, insbesondere eine Verbesserung des Sehvermögens, festgestellt werden.

Die Daten zeigten einen starken Nutzen in der Tacrolimus-Gruppe bereits nach einer Behandlungswoche einschließlich des wichtigen Parameters Visus.

Autoimmungastritis

Krankheitsbeschreibung und Belastung durch die Krankheit

Autoimmungastritis (AIG) ist eine nicht selbstlimitierende, chronisch entzündliche Erkrankung der Magenschleimhaut mit anschließendem Verlust der Parietalzellen. Dadurch kommt es zu einer Erhöhung des pH-Werts und daraus resultierend einer reduzierten Eisenaufnahme und Symptomen wie Dyspepsie, Blähungen, Durchfall und Schmerzen. Die Erkrankung ist im Spätstadium mit einer Vitamin-B12-Mangelanämie verbunden und kann zu perniziöser Anämie und neurologischen Symptomen führen. Zusätzlich haben Patienten ein höheres Risiko, einen Magentumor zu entwicklen.

Inzidenz / Prävalenz

Die Prävalenz von AIG ist stark variabel und hängt von den zur Diagnose verwendeten Untersuchungen ab. Es wird geschätzt, dass 2-5 % der Allgemeinbevölkerung betroffen sind, wobei der Frauenanteil höher ist (3:1). In der Bevölkerung über 60 Jahre steigt die Prävalenz auf über 9 %.

Aktueller Therapiestandard

Derzeit gibt es keine Behandlung, die die der Krankheit zu Grunde liegende Entzündung bekämpft. Die Standardbehandlung für AIG-Patienten ist vorrangig eine eine Substitution des Eisen- und Vitamin B-12 Mangels sowie im Fall einer Helicobacter-pylori Infektion eine entsprechende Eradikationstherapie. Zur Beobachtung möglicher Langzeitkomplikationen wird eine regelmäßige endoskopische Untersuchung empfohlen.

Unerfüllter medizinischer Bedarf

Da derzeit keine adäquate Therapie auf dem Markt verfügbar ist, bedeutet die Diagnose einer Autoimmungastritis für diese Patienten eine erhebliche Belastung und Beeinträchtigung der Lebensqualität. Basierend auf unserer patentierten Marinosolv®-Technologie mit einer ausgezeichneten Erfolgsbilanz bei mukosalen Anwendungen, entwickelt die Marinomed Biotech AG ein innovatives Arzneimittel, das sich auf die lokale Behandlung der zugrunde liegenden Entzündungsprozesse konzentriert. Indem die chronische Entzündung erstmals unter Kontrolle gebracht wird, wird die Grundlage für den Heilungsprozess der Magenschleimhaut geschaffen.

Allergische Rhinitis

Krankheitsbeschreibung und Belastung durch die Krankheit

Allergische Rhinitis (AR), entweder ganzjährig oder saisonal, ist eine Manifestation einer Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ I, die durch eine Immunreaktion auf ansonsten harmlose Stoffe wie Pollen oder Hausstaubmilben verursacht wird. In den vergangenen Jahrzehnten ist insbesondere in den Entwicklungsländern ein weltweit steigender AR-Trend mit sehr unterschiedlicher Prävalenz zu beobachten. Bis zu 30 % der Weltbevölkerung könnten betroffen sein. Während sich AR auf einen entzündlichen Prozess der Nasenwege bezieht, können Symptome zusätzlich auch die Augen, Ohren, Nebenhöhlen und Bronchien betreffen. Typische Symptome bei allergischer Rhinitis sind Juckreiz und Verstopfung der Nase, laufende Nase und Niesreiz. AR betrifft auch häufig die Bindehaut; bei solchen Patienten können Juckreiz, Tränenfluss und rote Augen auftreten. Etwa 40 % der AR-Patienten leiden zusätzlich unter asthmatischen Symptomen wie Husten, Keuchen oder Atemnot. Tatsächlich gilt AR als unabhängiger Risikofaktor für späteres Asthma. Einige Studien haben gezeigt, dass die Behandlung von AR die Gesundheitskosten senken und zu einer besseren Asthmakontrolle führen kann.

Aktueller Therapiestandard

Abgesehen von Allergenvermeidung und physikalischen Maßnahmen umfasst die aktuelle Therapie der AR zwei Hauptbehandlungsoptionen: Allergen-Immuntherapie oder Medikamente, die die Wirkung der Mediatoren, die während einer allergischen Episode von Mastzellen freigesetzt werden, unterdrücken. Die Immuntherapie ist die einzige Behandlung mit langfristig anhaltender Wirkung beruhend auf einer möglichen verringerten Reaktivität gegenüber dem jeweiligen Allergen. Pharmazeutische Interventionen hingegegen blockieren entweder die Bindung von Histamin an seinen Rezeptor (Antihistaminika), stabilisieren Mastzellen (z. B. Cromoglycat) oder reduzieren die Freisetzung von entzündungsfördernden Mediatoren wie TNF-alpha. Letzteres wird durch die topische Anwendung von Kortikosteroiden wie Budesonid, Fluticasonpropionat oder anderen erreicht.

Schlechte Löslichkeit und damit verbundene schlechte Bioverfügbarkeit sind zentrale Probleme für flüssige Formulierungen von Kortikosteroiden. Insbesondere, da diese Verbindungen für die lokale Anwendung auf empfindlichen Geweben wie der Nasenschleimhaut bestimmt sind. Infolgedessen werden diese Medikationen oft als Suspensionen formuliert und haben einen verzögerten Wirkeintritt von mehreren Tagen.

Revolutionäre Therapie und unerfüllter medizinischer Bedarf

Budesolv/MAM-1004-1 ist ein Nasenspray mit dem Kortikosteroid Budesonid zur Behandlung von allergischer Rhinitis und hat in einer klinischen Phase-3-Studie alle Endpunkte erreicht. Mit einer um mehr als 85 % reduzierten Dosis als bei vergleichbaren vermarkteten Produkten, führte Budesolv in weniger als drei Stunden zu einer spürbaren Verringerung der allergischen nasalen Symptome und einer deutlichen Verringerung der asthmatischen Symptome.

Die geringe Dosis in Kombination mit einer erhöhten Bioverfügbarkeit gewährleistet eine hohe lokale Aktivität des Arzneimittels. Darüber hinaus trägt die Reduktion der Wirkstoffmenge zur Nachhaltigkeit bei, da weniger Wirkstoff die Umwelt, insbesondere das Abwasser, belastet.